Seit mehreren Monaten verweigert mein Chef mir meinen Lohn. Zurzeit lebe ich von meinen Ersparnissen, diese sind jedoch fast aufgebraucht. Wenn ich meinen Chef darum bitte, doch endlich zu bezahlen, so werde ich nur abgewiesen. „Finanzielle Schwierigkeiten“ seien der Grund für den Zahlungsverzug. Ich kann aber bald die Miete nicht mehr bezahlen! Was kann ich tun?

 

Sie haben als Arbeitnehmer Anspruch auf Vergütung Ihrer Arbeit. Natürlich kann es immer mal zu Situationen kommen, in denen ein Arbeitgeber sich aus unbestimmten Gründen weigert, Lohn oder Gehalt auszuzahlen. Hier haben Sie als Arbeitnehmer mehrere Möglichkeiten, Ihr Recht einzufordern:

 

Als ersten Schritt sollten Sie Ihren Arbeitgeber entweder mündlich oder noch besser, schriftlich dazu auffordern, Ihnen das Gehalt auszuzahlen. Hierfür müssen Sie ihm eine Frist gewähren. In der Regel sollten 1 – 2 Wochen ausreichend sein. Dadurch, dass Sie Ihren Arbeitgeber schriftlich benachrichtigen, sichern Sie sich rechtlich gegen Verleumdung der Situation ab.

Bewahren Sie deshalb auch eine Kopie des Schreibens auf.

 

Wenn auch die von Ihnen gesetzte Frist ohne gewünschte Resultate verstreicht, dann ist der nächste Schritt eine Abmahnung nach dem Arbeitsrecht.

Hierbei sollten Sie unbedingt darauf achten, 3 Punkte in die Abmahnung zu setzen:

  1. Eine Hinweisfunktion: Notieren Sie Zeit und Datum, sowie eine Beschreibung der Handlung, die zur Abmahnung geführt hat.
  2. Eine Beanstandung: Sie müssen Ihren Arbeitgeber in Kenntnis setzen, dass ein Verstoß gegen den Arbeitsvertrag vorliegt, der unterlassen werden soll.
  3. Eine Warnfunktion: Wenn der Arbeitgeber auch die Abmahnung ignoriert, so folgt unter Umständen die fristlose Kündigung seitens des Arbeitnehmers.

 

Achten Sie auch darauf, dass die Abmahnung alle wichtigen Punkte unmissverständlich behandelt. Sonst könnte der Arbeitgeber durch Fehlinterpretation die Abmahnung unwirksam machen.

 

Sollte der Arbeitgeber mehr als 2 Monate mit Lohnzahlungen im Verzug sein, so steht es Ihnen zu, unter Gebrauch des Zurückbehaltungsrechtes die Arbeit zu verweigern, wobei Ihnen dennoch weiterhin Lohn zusteht. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass eventuelle Schäden, die dem Arbeitgeber durch Ihre Arbeitsverweigerung entstehen, nicht unverhältnismäßig wirken. Wenn der Schaden nicht in Relation zu dem von Ihnen geforderten Lohn steht, so handelt es sich hier um eine unbillige Verweigerung; es ist nicht länger rechtskräftig.

 

Sie haben außerdem Anspruch auf Verzugszinsen, die dem ausstehenden Lohn mit angerechnet werden müssen. Zudem können Sie eine Schadensersatzforderung stellen, falls Ihnen zum Beispiel auch steuerliche Nachteile entstanden sind.

 

Als absolut letztes Mittel steht es Ihnen frei, eine Klage vor dem zuständigen Arbeitsgericht einzureichen, um Nachzahlung sowie Schadensersatz geltend zu machen. Auch die fristlose Kündigung ist ein Ultimatum, bei welchem Sie neben der vorgenannten Punkte auch ein Recht auf eine Abfindung wegen Verlust des Arbeitsplatzes anfordern können.

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